Die Grammatik ist ein sanftes Lied

Die Grammatik ist ein sanftes Lied
Author: Erik Orsenna , Wolf Erlbruch, Caroline Vollmann
Publisher: Hanser
ISBN: 978-3446204386
Date: 2004
Pages: 138
Format: PDF
Size: 2.4MB

eanne und Thomas sitzen als Schiffbrüchige auf einer Insel fest. Die Geschwister haben ihre Sprache verloren, doch zum Glück leben dort nicht nur Menschen, sondern auch Wörter in einer eigenen Stadt. Es gibt sogar ein Krankenhaus für diejenigen unter ihnen, die man schlecht behandelt hat: das Wort “Liebe” etwa. Jeanne und Thomas könnten ihre Sprache wiederfinden, wäre da nicht der fiese Gouverneur, der Wörter nicht leiden kann … Eine abenteuerliche und witzige Reise in die raffinierte Welt der Sprache.
Die 10-jährige Französin Jeanne hat einen streitbaren Namen. Wie Jeanne d’Arc eben, oder jene Jeanne die Axt, die gegen Karl den Kühnen zu Felde zog. Und streitbar ist auch Die Grammatik ist ein sanftes Lied des französischen Autors Erik Orsenna, dessen deutsche Ausgabe von Wolf Erlbruch großartig illustriert worden ist. Um nichts weniger geht es als um die Rettung der Liebe zur Sprache und ihrer zauberhaften Gesetze. Dies begreift Jeanne, als sie bei einer Reise über den Atlantik mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Thomas auf einer Insel strandet, in der neben Menschen auch Wörter hausen. Jeanne und Thomas haben ihre Sprache verloren und müssen sie neu erlernen — und finden auf dem Eiland überaus kompetente Lehrmeister dazu.
Die Franzosen haben seit jeher ein besonderes Verhältnis zu ihrer Muttersprache, um deren Erhalt sich der Staat in besonderem Maße gewappnet hat. So war es offenbar das besondere Ansinnen Erik Orsennas, auch kleine Französinnen und Franzosen zur nationalen Sprachliebe zu erziehen. Die Grammatik ist ein sanftes Lied ist stark von diesem Geist geprägt. Aber Sprachliebe ist ja nicht verwerflich. Und auch jenseits didaktischer Impulse ist Orsennas Buch überaus lesenswert. Ein besonderes Lob ist dabei vor allem auch der Übersetzerin Caroline Vollmann auszusprechen, die den Text nicht nur adäquat und flüssig ins Deutsche übertragen, sondern ihn auch an die Eigenheiten der heimischen Grammatik angepasst hat. Und das ergab in manchen Passagen fast schon wieder ein neues Buch.
„Ihr könnt euch glücklich preisen, Kinder, dass ihr in eine der schönsten Sprachen der Welt hineingeboren worden seid“, heißt es etwas nationalstolz in Orsennas Buch. „Eure Sprache ist eure Heimat. Lernt sie und erfindet sie neu. Sie wird euer ganzes Leben lang euer engster Freund sein“. Und zumindest das ist, wenn man es nur beherzigt, wortwörtlich wahr. —
Dieses Buch wurde in unserer Tageszeitung empfohlen und es klang für mich so interessant, dass ich es gleich kaufen musste (jetzt ist mein Weihnachtsgutschein aufgebraucht ) Aber es hat sich gelohnt .
Das Buch ist eine Hommage an die Sprache. Es beginnt am letzten Schultag und da begeistert mich schon die Lehrerin Frau Preisendanz, die es versteht, den Kindern Fabeln auf wunderbare Weise nahe zu bringen. (Kleine Kostprobe gefälltig?:
“Ein Lamm löschte seinen Durst mit Behagen
Im klaren Bach. Da kommt der Wolf, der Bösewicht,
Mit nüchternem Magen auf Beute erpicht.”
… “LaFontaine spielt wie kein anderer mit den Verben. Ein Wolf “kommt”: Das ist Präsens. Man hätte eher ein Präteritum erwartet: Ein Wolf “kam”. Was bewirkt dieses Präsens? Die Bedrohung rückt näher heran. Wir spüren sie, jetzt in diesem Augenblick. Der Friede des ersten Satzes ist mit einem Schlag wie weggefegt…”)
Doch bei der Überprüfung der Einhaltung der pädagogischen Richtlinien fällt Frau Preisendanz durch. Was die Schülerin Jeanne schwer erschüttert.
Jeanne und ihr Bruder wollen in den Ferien ihren Vater in Amerika besuchen und geraten auf der Schifffahrt über den Atlantik in einen Sturm und retten sich auf eine seltsame Insel.
Der Sturm hat ihnen die Worte aus dem Kopf gefegt, sie können nicht mehr sprechen. Doch auf dieser wundersamen Insel nimmt sich Monsieur Kasimir ihnen an und zeigt ihnen Orte, die sie sich im Traum nicht hätten vorstellen können. Auf der Insel gibt es einen Markt, auf dem man Worte kaufen kann, dort lebt eine alte Frau, die seltene Worte wieder ins Leben holt und vor dem Vergessen bewahrt und eine Stadt, in der die Worte leben. Substantive, Adjektive, Verben, Pronomen … alle Wörter werden klasse erklärt. Z.B. Gehen die Artikel immer vor den Substantiven, die sich wiederum im Laden ein Adjektiv besorgen, von dem sie sich bei Nichtgefallen auch wieder trennen können.
Doch auf der Insel herrscht nicht nur Frieden, der böse Gouverneur möchte den Wortschatz auf die 500 – 600 wichtigsten reduzieren und kommt zuweilen mit seinen Helikopter um eine Bibliothek in Brand zu setzen. und sperrt Jeanne für zwei Wochen in ein pädagogisches Institut (in dem auch die Lehrer, die die Richtlinien nicht einhalten wieder auf Linie getrimmt werden) Doch Jeanne gelingt die Flucht.
In einer Fabrik bekommt Jeanne nun Gelegenheit, sich Wörter mit einem Netz zu fangen und auf’s Papier zu bringen – aber grammatikalisch richtig.
So lernt sie wieder richtig sprechen. Ihr Bruder geht übrigens einen anderen Weg, den über die Musik und Lieder.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich habe es auch für meinen Sohn (10 Jahre) gekauft, damit er auf spielerische und spannende Weise die Grammatik kennen- und schätzen lernt.
Doch zum Selberlesen ist das Buch für sein Alter an einigen Stellen viel zu schwierig. Wenn z.B. Definitionen aus dem Wörterbuch genannt werden oder im Institut die Grammatik staubtrocken und mit vielen Fremdwörtern erklärt wird. Jeanne in der Geschichte versteht sie ja auch nicht, aber für den jungen Leser ist es sicher an manchen Stellen schwer, sich da durchzukämpfen. Die Übersetzerin spricht z.B. auch immer von Substantiven, in der Schule sagen sie bei meinem Sohn “Nomen”. Das sind zwar Kleinigkeiten, aber für einen Viertklässler doch schon manchmal kompliziert.
Ich lese es daher momentan meinem Sohn abends vor. Ich kann so auch die schwierigeren Passagen gut rüberbringen. Er ist restlos begeistert. und findet das Buch mega-spannend. Wir haben jetzt knapp die Hälfte gelesen, wenn wir fertig sind, gebe ich euch seine abschließende Meinung.
Und das Buch ist auf jeden Fall auch für Erwachsene lesenswert. Viele Kleinigkeiten haben mich einfach begeistert. So ist der Satz “ich liebe dich” im Krankenhaus, weil er zu oft beansprucht wurde oder das Türschild der alten Frau: “Treten sie ein, ohne anzukopfen, aber warten sie bitte das Ende des Wortes ab. Danke.” Oder wie Jeanne auf dem Markt neue Schimpfwörter für ihren Bruder kennenlernt…

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